Wenn das Hirn speziell ist

Es hat doch einige Jahre gedauert, bis ich begriffen habe, das mein Hirn anscheinend etwas anders funktioniert als das von meinen Mitmenschen.
Heute ist ja ADHS (AufmerksamkeitsDefizit-HyperaktivitätsStörung) in aller Munde und wer mehr darüber wissen will findet alles darüber online. Deshalb erspare ich euch hier Details.
Um was es mir geht ist allen die mit so einem Turbo-Hirn herumlaufen zu sagen: „Ey, du bist ok, so wie du bist. Dein Hirn hat einfach ein anderes Betriebssystem, es kann mehr Informationen speichern, ist kreativer und ja auch impulsiver.“

Als Kind war ich in der Familie der Zappelphillip konnte nicht ruhig sitzen und wenn mich was nicht interessiert hat – was leider in der Schule doch mal vorkam – habe ich mich mit was anderem beschäftigt. Die Schulnoten – besonders in Mathe – waren entsprechend. Ja, eine kurze Aufmerksamkeitsspanne – wenn etwas nicht interessiert wird es ignoriert. Einmal hatte ich in Mathe tatsächlich eine Eins geschrieben – der Lehrer war total fertig – was war passiert? Meine Schulfreundin war krank und ich wollte ihr beim Krankenbesuch erzählen, was im Unterricht in Mathe dran gewesen war, also habe ich aufgepasst wie ein Luchs: es ging um Sinus-, Cosinus und Tagenssberechnung. Ich weiß noch wie ich danach dachte, wie einfach das doch ist. 😉

Heute geht mir das genauso: wenn mich etwas interessiert sauge ich die Infos auf wie ein Schwamm. So kann ich mir Studienergebnisse aus der Hirnforschung merken – eben weil ich es spannend finde. Oder Zitate – ich habe als Teenager schon in ein Büchlein Zitate geschrieben – die weiß ich heute noch auswendig…

Ich erinnere mich, das ich in der Grundschule meiner Tochter während einer Kunst-Projektwoche als externe Kreative engagiert war (mehr dazu hier), um mit einigen Schülern ein Mosaik an eine Betonsäule im Eingangsbereich zu kleben. Die Lehrkraft sagte mir gleich, dass da ein Junge etwas schwierig sei, weil er sich schlecht konzentrieren konnte. Nun fand dieser Junge die Arbeit an der Säule übrigens so spannend (jeder durft ein ein eigenes Bild, das er vorher gezeichnet hatte als Mosaik umsetzen), dass er mit Ausdauer dabei war. Und als seine Mutter ihn am letzten Projekttag am Nachmittag abholen wollte habe ich sie gebeten, ob der Sohnemann noch länger bleiben könnte, weil er gerade so gut mitmacht und die Säule ja fertig werden soll. Also: geht doch!
Wenn etwas interessiert und/oder spannend ist bleibt auch ein ADHS-Hirn dran. Bitte dran denken, liebe Lehrkräfte!

Ja, es gibt auch noch mehr was nervt mit einem Turbo-Hirn – wie etwa mangelnde Impulskontrolle. Immer alles gleich raushauen, was im Kopf so aufpoppt. Das kann für die Mitmenschen schon echt anstrengend sein. Das Turbo-Hirn denkt dann: Ey, das ist doch total wichtig – ich muss das dieser Person sofort sagen! Nein musst du nicht, auch wenn du es ja nur gut meinst – aber diese Person ist für sich selbst verantwortlich und ihr Hirn tickt wahrscheinlich anders als deines.

Was mir geholfen hat?

Also: ich hab mein ADHS soweit im Griff – dass meine Wohnung aufgeräumt ist, ich die Wäsche nicht in der Waschmachine vergesse und ich feste Zeiten zum Essen habe, damit ich das vor lauter Hyperfokus, wenn ich an einer Webseite oder einem Bild arbeite, nicht vergesse. Was mir geholfen hat ist tatsächlich Reiki zu praktizieren, Routinen, Achtsamkeitsübungen und dergleichen mehr. Und ich weiß -meistens- wo meine Grenzen sind. Wenn ich z.B. einen Tag im Trubel bin mit viel Input und Leuten, brauche ich am nächsten Tag Ruhe, damit sich das Nervensystem wieder beruhigt. Ja, und PAUSEN sind wichtig – ich arbeite dran 😉

weitere Seelengedanken